Eine etwas andere Nikolausgeschichte         <-zurück

An einem späten Nachmittag an 5. Dezember 2017. Nach der Arbeit musste ich noch einen Schokoladen-Nikolaus als Geschenk für den nächsten Tag einkaufen. Ich fuhr zum Lebensmittelmarkt, sprang gut gelaunt aus dem Auto, steuerte auf die Einkaufswagerl-Sammelstelle zu – kann ja sein, dass ich dann mehr brauchte, als nur den Nikolaus - steckte einen Euro in den Münzschlitz, schnappte mir den Einkaufswagen und bummelte beschwingt in den Markt.

 

Zielstrebig fuhr ich auf die „süße“ Abteilung zu. Es war um diese Zeit doch einiges los im Markt. Viele Leute drängten sich in den Gängen aneinander vorbei. Meiner Fröhlichkeit tat dies heute keinen Abbruch, ich wollte ja eigentlich nur diese Kleinigkeit einkaufen  und freute mich auf zu Hause. Vor dem Regal, wo die Schokoladen-Nikoläuse Seite an Seite standen, stellte ich meinen noch leeren Einkaufswagen ab und ging schnurstracks in diesen Gang. Es  kam mir ein Mann entgegen. Er hatte schulterlanges dunkles Haar, ein etwas rötliches Gesicht, eine etwas größere rundliche Nase, und er war im mittleren Alter (für jeden selber zu interpretieren ;). Wahrscheinlich war auch er auf der Suche nach etwas Bestimmtem. Wie es im Leben oft so ist, man sieht sich kurz an, registriert, geht aneinander vorüber, geht geschäftig den eigenen Interessen nach und vergisst die Begegnung dann wieder. Was dann aber passierte, werde ich wohl nie mehr vergessen.

 

Als ich einen ca. 15 cm großen, nett dreinblickenden Schoko-Nikolaus ausgewählt hatte, ging ich den Gang zurück, um ihn in mein noch leeres Einkaufswagerl zu legen. Aber da war kein Wagerl mehr :(. Hatte ich es nicht hier abgestellt? Oder doch weiter weg? Ein Gefühl der Verwirrung war plötzlich da. Ich schaute herum, ob ich es nicht doch anderswo platziert hatte. Aber nein, ich sah keines in meiner Nähe, und ich war mir ganz sicher, dass ich es zumindest in dem Bereich abgestellt hatte. Hilfesuchend fast in Panik geratend, sah ich mich um und dachte "Wo ist mein Wagerl mit meiner Euro-Münze?" >>:/

 

Dann blickte ich den Gang in Richtung Kassen hinunter. Ich sah diesen Mann wieder und war mir plötzlich ganz sicher, dass der Typ mein Wagerl geklaut  hatte. Er drehte sich plötzlich um und grinste mich siegesbewusst an. Mir kam es vor, als würde er sagen wollen „Haha, jetzt gehört das Wagerl mit DEINEM Euro mir.“ In dem Moment stieg eine unbändige Wut in mir auf. Was tun? Dem Typen nachlaufen und ihm mein Wagerl mit MEINEM Euro entreißen? „Nein, er ist schon viel zu weit weg.“ Wäre doch eine sehr auffällige Aktion geworden. „Aber ich kann ihn doch nicht ungestraft davonkommen lassen?“ In meinem Gehirn rotierten die Gedanken. Es ging dann alles ganz blitzschnell. In dem Moment, wo er sich grinsend nach mir umgedreht und mein Gehirn sämtliche Gedanken durchgeschleust hatte, war ich mir sicher, was zu tun war. In meinem ganzen Leben hatte ich das noch nie gemacht. Mit Zornesröte im Gesicht, riss ich in dem Menschengewühl meine rechte Hand hoch und streckte ihm den St….finger entgegen und sagte ganz laut, ungeachtet der Menschen, die um mich im Kaufrausch herumwuselten „Idiot, wenn‘st es so notwendig hast, dann nimm mein Einkaufswagerl mit meinem „Sch…..-Euro“. Oahhh, war mir das gleich peinlich. Ein paar Leute starrten mich verstohlen an. „Schnell weitergehen“ dachte ich mir "Raus aus dem Geschäft". Mit der Situation eigentlich dann abgeschlossen, drehte dieser Typ plötzlich mit dem Wagerl um und steuerte geradewegs auf mich zu. „Upsi, was passiert da jetzt?“ dachte ich mir. Zweifel kamen auf, ob ich nicht doch überreagiert hatte. „Wie peinlich, wenn der sich jetzt mit mir verbal duellieren möchte“ fuhr es mir durch den Kopf. Mein nicht ladyhaftes Verhalten vor all den anderen Leuten war mir eh schon unangenehm genug. „Warum hab ich mich überhaupt zu so einer Reaktion hinreißen lassen“ – Verzweiflung stieg auf.

 

Der Mann kam mit dem Wagerl auf mich zu, lächelte mich an und sagte in einem freundlichen Ton nur „Entschuldigen Sie bitte, ich habe das Wagerl verwechselt!“ Stellte es neben mich und ging weiter in einen anderen Gang hinein. Ich fühlte mich schuldig und rief betroffen nach „Macht ja nichts, kann ja passieren!“ Glücklich, mein Wagerl mit meinem Euro wieder zu haben und nochmal gut aus der ganzen Situation herausgekommen zu sein – schmunzeln musste ich über das soeben Stattgefundene ja auch – bog der Mann mit SEINEM Einkaufswagen um die Ecke, der bis OBENHIN VOLLGEFÜLLT war!!!

Er rollte mit einer Ruhe an mir vorbei und schaute mich noch immer freundlich an. Ich starrte auf sein Wagerl und dann auf meinen einsamen Nikolaus in meinem Wagerl und vermochte nur noch zu sagen „Ach, ist ja eh fast gleich viel drinnen“.

Meine Verwirrung war so groß, dass mir der Mund offen blieb und ich dem Typen mit seinem Wagerl nur mehr sprachlos nachstarrte. „Was war DAS jetzt?“

Danach verließ ich, schnell meinen Nikolo zahlend, fluchtartig das Geschäft. Schob mein Einkaufswagerl wieder in seine Sammelstelle, drückte meinen Euro heraus und fuhr - noch immer sprachlos  - nach Hause.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© 2021 by roswitha-its.me, voetsch@roswitha-its.me